Die Freie Wählergemeinschaft Altomünster (FWG)

Von Manfred Heinrich, Josef Seidenschwarz und Josef Wiedmann

1966 - 1972 | 1972 - 1978 | 1978 -1984 und 1984 - 1990

Die Freie Wählergemeinschaft (FWG) in Altomünster besteht seit 1966. Es traten aber schon bei den Kommunalwahlen von 1946 bis 1960 parteiunabhängige Bürger auf Listen von Parteien und Gruppierungen als Bewerber für den Marktgemeinderat an. Die FWG wurde ins Leben gerufen, um nach der Gründung der politischen Parteien auch Partei ungebundenen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit zu bieten, die Aufstellung der Gemeinderatskandidaten mitzubestimmen oder selbst für Gemeinderat oder Kreistag zu kandidieren. Die FWG ist eine lose Gruppierung ohne feste Mitgliederzahl. Die FWG hat keinen Vorsitzenden, da sie kein Verein ist. Seit Ende der 1970er Jahre benennen die amtierenden Gemeinderätinnen und Gemeinderäte der FWG einen Sprecher, der als Bindeglied innerhalb der Gruppierung fungiert und anfallende Aufgaben koordiniert. Sprecher der FWG waren Dr. Reinhard Pohl (1978-1981), Manfred Heinrich (1981-1990), Josef Seidenschwarz (1990-1999), Johann Lampl (1999-2008) und Hubert Güntner (seit 2008). Nach bescheidenen Anfängen stellte die FWG in den Wahlperioden 1996-2002 und 2002-2008 nicht nur die Mehrheit der Gemeinderäte, sondern auch den 1. und 2. Bürgermeister. Anzahl der Sitze im Gemeinderat: 1966-1972 (4), 1972-1978 (5), 1978-1984 (6), 1984-1990 (7), 1990-1996 (9), 1996-2002 (10), 2002-2008 (10) und 2008-2014 (9).


Chronik der FWG Altomünster

 

1966 1972

 

Die Freie Wählergemeinschaft (FWG) in Altomünster besteht seit 1966. Hintergrund war die anstehende Kommunalwahl. Man stellte einen eigenen Wahlvorschlag auf: Gemeinderat Anton Hofberger jr. kandidierte als 1. Bürgermeister und Gemeinderatskandidat für die FWG gegen den amtierenden Bürgermeister Dr. Wolfgang Drach. Auch die CSU nominierte mit Rudolf Koster einen Bürgermeisterkandidaten. Hofberger erhielt vom Stand weg 30,9% der gültigen Stimmen, auf die Liste der FWG entfielen 36,1%. Von der FWG (Anton Hofberger, Reinhold Pohl, Paul Schall, Paul Reiter) und CSU kamen je vier Vertreter in den damals 10-köpfigen Gemeinderat. Die SPD stellte zwei Räte. Anton Hofberger wurde 1970 als Kandidat der FWG zum 1. Bürgermeister gewählt. Dr. Drach war aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. 


1972-1978

 

1972 kandidierten Freie Wähler bei der Kommunalwahl auf einer gemeinsamen Liste mit der CSU. In den nunmehr 14-köpfigen Gemeinderat schafften es fünf Freie Wähler: Richard Ostermeir, Anton Holzhammer, Paul Reiter, Erwin Hartel und Manfred Schall.

1978 1984

 

1978 luden die Initiatoren der FWG per Plakat alle Altomünsterer aus dem Kernort und den Gemeindeteilen ein. Jeder Bürger sollte die Möglichkeit haben, an der Nominierung in geheimer Wahl mitzuwirken. Die zwanzig Teilnehmer, die am meisten Stimmen erhielten, wurden als Gemeinderatskandidaten nominiert. 104 Interessenten waren gekommen. Die Initiatoren betrieben auf Handzetteln eine intensive Information aller Haushalte über den Wahlmodus und erläuterten auf Versammlungen in allen Ortsteilen die Möglichkeiten des Wählens. Georg Gschwendtner, Reinhard Pohl, Manfred Heinrich, Leonhard Geil, Richard Ostermeir und Josef Seidenschwarz wurden bei der ersten Kommunalwahl nach der Gebietsreform gewählt. Anton Hofberger, mittlerweile Mitglied der CSU, der mit seiner sicheren Wiederwahl zum 1. Bürgermeister rechnen durfte, kandidierte auch für den Gemeinderat auf Platz 1 der CSU-Liste und bekam mit deutlichem Vorsprung die meisten Stimmen für die CSU. Diese taktische Maßnahme Hofbergers, die der CSU einen weiteren Gemeinderatssitz verschaffte, sorgte für Verstimmung bei den „Freien“, die ihn jahrelang unterstützt hatten. Aus dem Kernort Altomünster kamen zwei FWG-Gemeinderäte (Manfred Heinrich und Richard Ostermeir), vier aus den umliegenden Orten (Georg Gschwendtner, Reinhard Pohl, Leonhard Geil und Josef Seidenschwarz). Insgesamt erreichte die FWG 28,41% aller abgegebenen Stimmen.

In den Jahren von 1978 bis 1984 arbeiteten die Gemeinderäte der FWG kritisch und konstruktiv im Gemeinderat mit. Der Tierarzt Reinhard Pohl versah das Amt des Straßenreferenten, der Landwirt Richard Ostermeir war Kanalreferent und der Lehrer Manfred Heinrich Sportreferent. Freie Wähler waren auch in Ausschüssen tätig. Als besondere Aufgaben standen in dieser Periode die Erstellung des Flächennutzungsplans, die 1250-Jahrfeier des Marktes Altomünster (1980) und der Erhalt des kommunalen Krankenhauses an. Im Laufe der sechs Jahre gemeinsamer Arbeit zum Wohle der Bevölkerung entstanden zwischen den „Freien“ im Gemeinderat, trotz oft unterschiedlicher Auffassung und Argumentation, ein Zusammengehörigkeitsgefühl und menschliches Einvernehmen. Es zeigte sich, dass gerade Freiheit und Unabhängigkeit zu Bindung führen können. 

1984 1990

 

1984 brachte die Wahl für die FWG sieben Sitze, 33,69% der gültigen Stimmen entfielen auf die Gruppierung. Mit Anton Holzhammer und Manfred Heinrich waren zwei Altomünsterer in den Gemeinderat gekommen, mit Josef Seidenschwarz (Altgemeinde Oberzeitlbach), Georg Gschwendtner und Johann Schneider (beide Altgemeinde Wollomoos), Josef Schuri (Altgemeinde Hohenzell) und Simon Stich (Altgemeinde Kiemertshofen) fünf Auswärtige. Erstmals kandidierten Freie Wähler aus Altomünster für den Kreistag. Trotz guten Abschneidens gelang keinem Kandidaten der Einzug in den Kreistag. Anlässlich der Wahlanalyse wurde eine Initiatorengruppe bestehend aus den Gemeinderäten Gschwendtner, Heinrich und Seidenschwarz und den nicht zum Zuge gekommenen Kandidaten Gerhard Gerstenhöfer, Dr. Wilhelm Liebhart und Josef Mederer eingerichtet, die Vorhaben der Gemeinde diskutieren sollten. Zwei verdiente Gemeinderatskollegen, Leonhard Geil und Georg Geschwendtner, feierten im jeweils großen Kreis ihren 65. Geburtstag. Beide wurden später mit der Bürgermedaille geehrt.

Ab 1986 traf sich die die FWG regelmäßig zum Dreikönigstreffen, um Informationen auszutauschen. Beherrschende Themen der Gemeinderatsarbeit in der Periode von 1984 bis 1990 waren die weitere Erarbeitung des Flächennutzungsplans, die Dorferneuerung, die Wasserversorgung des Marktes und der Gemeindeteile durch Einrichtung von Notverbünden, dann Maßnahmen zur Hochwasserfreilegung, die Abwasserbeseitigung und schließlich um den Schulsprengel.

Im Schulstreit und Schulstreik ging es um die Umsprengelung der Grund- und Hauptschüler aus Hohenzell, Kiemertshofen und Wollomoos nach Altomünster. 1984 wurde bekannt, dass nur die Grundschüler der Altgemeinden in Altomünster die Schule besuchen, die Hauptschüler in ihrer bisherigen Schule Sielenbach bleiben sollten. Diese Entscheidung der Kultusbürokratie wollte man nicht hinnehmen. Die FWG setzte sich unter Federführung von Georg Gschwendtner für den Besuch aller Schüler aus der Gemeinde im Hauptort ein. Per Gerichtsurteil sollte der Schulbesuch im bisherigen Sprengel erzwungen werden. Die Eltern ignorierten die Urteile und schickten ihre Kinder zu Beginn des Schuljahres 1986/1987 nach Altomünster in die Schule. Letztlich entschied der Ministerrat, dass die Schülerinnen und Schüler aus den fünften und sechsten Klassen in Altomünster bleiben dürften, die Siebt- bis Neuntklässler aber weiterhin in Sielenbach unterrichtet werden sollten. Ein unbefriedigender, wenig sinnvoller Kompromiss.

Sprecher der FWG Altomünster

 

Hubert Güntner

Weidenstraße 4

85250 Altomünster

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